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TU Berlin

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AVALANCHE

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AVALANCHE (Adaptiver, Virtueller Assistent zur LAwinenwarnung Nach CHarakter Eigenschaften) ist ein vom BMBF (Bundesministerium für Bildung und Forschung) gefördertes und im Rahmen vom Software Campus durchgeführtes Projekt, welches vom Projektpartner Scheer-Holding unterstützt wird. Der Software Campus ist ein Förderprogramm in dem exzellente Promovierende zu IT-Führungskräften ausgebildet und dabei von IT-Partnern unterstützt werden.

Wir untersuchen im Projekt die dynamischen Entscheidungsprozesse von Freeridern sowohl im Feldstudien als auch in VR-Simulation und entwickeln persuasive Strategien, die gefährliche Entscheidungen verhindern.

 

Projektbeschreibung und Hintergrund

Im weiteren Verlauf des Projekts liegt der Fokus auf der Entwicklung und realitätsnahe Testung eines Interaktionskonzepts für Wearable Companion Systems, die im Rahmen risikobehafteter dynamischer Situationen zum Einsatz kommen.

Personen werden durch dieses in ihren subjektiven Entscheidungsprozessen unterstützt und es werden ihnen Handlungsalternativen aufgezeigt, indem es sowohl situative Einflüsse als auch der Einfluss personalisierte, persuasive Hinweisreize berücksichtigt. Dadurch wird eine potentiell gefährliche Entscheidungsbereitschaft gestoppt und Verhaltensänderungen induziert.

Das Interaktionskonzept wird für Skitourengeher erprobt. Es warnt dabei in potentiell gefährlichen Situationen vor Lawinen. In einem solchen dynamischen Umfeld ist der Entscheidungsprozess von der Expertise der Person, möglichen Zeitdruck und der Komplexität der Situation beeinflusst.

Möglichkeiten der Implementierung eines Systems in einem derartigen Setting bieten beispielsweise Smartphones (Warnung via Sprachausgabe), Smartwatches (Vibrieren als Warnung), als auch Augmented Reality Devices, wie z.B. smarte Skibrillen (visuelle Warnreize).

Der Einbezug von Persönlichkeitsmerkmalen spielt eine zentrale Rolle bei der Entwicklung des Interaktionskonzepts. So unterscheiden sich Menschen beispielsweise in ihrer Risikofreude. Diese Unterschiede sind innerhalb von Personen zeitlich relativ konstant und stabil, weshalb von persönlichkeitsunterschieden im Risikoreich gesprochen werden kann. Das zeigt sich unter anderem darin, dass die meisten Unfälle trotz Bewusstsein vor Gefahr passieren, weil falsche Entscheidungen getroffen werden. Dabei spielen neben den Persönlichkeitsfaktoren (e.g. Risikofreude) auch klassische Entscheidungsfehler (Overconfidence Bias - e.g. mir passiert nichts; Ankerheuristiken – e.g. letztes Mal ist mir auch nichts passiert) eine wichtige Rolle. Zudem divergiert die subjektive und objektive Risikowahrnehmung bei Personen, was dadurch deutlich wird, dass Überlebende von Lawinen durchaus in der Lage sind das allgemeine Lawinenrisiko akkurat einzuschätzen, diese Einschätzung jedoch nicht auf sich selbst beziehen. Gründe hierfür ist neben einer risikofreudigen Persönlichkeit eine Überschätzung der eigenen Fähigkeiten.

 

Vorgehen

Das Projekt begann mit einer explorativen Vorstudie, in der mit qualitativen Methoden Entscheidungsprozesse von Freeridern im Feld dokumentiert wurden. Mit Hilfe dieser Daten untersuchen wir nun, wie Entscheidungen beim Skifahren bzw. Aufsteigen getroffen werden und welche Personen und Persönlichkeiten potentiell durch ein solches Assistenzsystem angesprochen werden können. Zudem wollen wir dabei die Frage beantworten, inwiefern persuasive Kommunikationsansätze bei der Zielgruppe akzeptiert werden und ob es überhaupt möglich ist, auf Warnungen beim Skifahren rechtzeitig zu reagieren.

Die gesammelten Informationen werden anschließend genutzt, um einen ersten Prototypen zu entwickeln. Mittels VR testen wir diesen in einer Simulationsstudie. Ein solcher Prototyp verwendet auf den Nutzer adaptierte persuasive Strategien, um den Entscheidungsprozess so zu beeinflussen, dass die Entscheidung dem tatsächlichen Lawinenrisiko angemessen ist.

In der finalen Phase des Projekts wird schließlich ein funktionsfähiges Konzept in einer Feldstudie eingesetzt. Die Feldstudie findet dabei in einem Skigebiet, welches in einer Gefahrenzone für Lawinen liegt, statt. Ein solches Interaktionskonzept lässt sich also im tatsächlichen Anwendungsfeld nutzerzentriert entwickeln und testen.

 

Anwendung und Weiterentwicklung

Erkenntnisse aus dem Projekt sind langfristig gesehen in allen Berufsfeldern anwendbar, in denen innerhalb einer dynamischen Umgebung schnell Entscheidungen getroffen werden müssen, die sicherheitskritisch sind. Dies betrifft beispielsweise Chemieanlagen, die Polizei und die Medizin. Auch für Bergtouristen und die Bergwacht bietet das Interaktionskonzept konkrete Anwendungsmöglichkeiten.

Aus wissenschaftlicher Perspektive können in einem größeren Projekt die entwickelten Persuationsstrategien für verschiedene Persönlichkeiten in weiteren Anwendungsbereichen getestet werden, beispielsweise im Bereich Sportklettern.

Auch ein Kooperationsvertrag mit größeren sicherheitskritischen Industrien (Automobil, Flugverkehr etc.) wäre vorstellbar. Bei erfolgreichem Projektverlauf ist zudem ein Förderantrag für die Ausgründung eines Unternehmens, das die entwickelten Persuationsstrategien in Kooperation mit Meteorologen zu einer marktreifen Lawinenapp weiterentwickelt geplant.

 

Rahmen

Das Projekt wird von Sabine Prezenski geleitet. Sie wird dabei von Kenneth zur Kammer, Martin Krabbe und Dominik Brüchner unterstützt. Die Projektlaufzeit beträgt 18 Monate und geht vom 01.02.2018 bis 01.07.2019

 

 

 

AVALANCHE

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